Anfang Dezember veröffentlichte die CDU Mandelbachtal, namentlich Daniel Kempf, eine Pressemitteilung in welcher er davor warnte, dass “in den großen, städtischen Jugendzentren in St. Ingbert und Homburg (…) extremistische und gewaltbereite Organisationen um neue Mitglieder” werben würden. Nun ist es natürlich fragwürdig anhand einiger Aufkleber und Links auf der Homepage des AJZ Homburg solche Schlüsse zu ziehen und auch das Reden von “der” Antifa – als handele es sich um eine einheitlich bundesweite Organisation wie bei CDU oder verdi – und von einer “Chaostageparty” – hier war ihm offenbar der Kontext selbiger nicht wirklich klar – zeigt, dass Herr Kempf nicht unbedingt gut informiert ist. Natürlich darf auch der unkritische Bezug auf vermeintliche “Erkenntnisse” des Verfassungsschutzes nicht fehlen. Das Presseecho war erwartungsgemäß groß, so berichteten u.a. BILD Saarland und die Saarbrücker Zeitung. Auch die beschuldigten Jugendzentren reagierten, insbesondere die Stellungnahme des JUZ St. Ingbert brachte es dabei auf den Punkt.

Damit wäre es auch eigentlich gut gewesen, alles nötige war gesagt und man hätte den Profilierungsversuch des CDU-Kreistagsabgeordnete, angesichts bevorstehendem Wahljahr, auf sich beruhen lassen können – trotz der durchaus handfesten Auswirkungen selbigens, war doch auf Kempfs Betreiben ein Zuschuss an der St. Ingberter Jugendzentrum um 2000 Euro gekürzt worden. Doch weit gefehlt. Eine Gruppe namens “Autonomes Forum” ließ es sich nehmen mehr als peinliches Flugblatt, versehen mit der Aufschrift “Get him – Reaktionäre Demagogen zur Verantwortung ziehen”, einem Foto Kempfs und seiner – allerdings falschen – Adresse zu veröffentlichen und in Saarbrücken zu plakatieren.

Nun ist solch pubertäres Drohverhalten schon qua Prinzip peinlich und mehr als überflüssig. Besonders frapierend wird es allerdings, wenn es von sich emanzipatorisch und links dünkenden Personen bzw. Gruppen ausgeht, sollte sich doch hier spätestens seit dem Ende der RAF herumgesprochen haben, dass Drohung und Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung, wenn überhaupt, dann nur in Ausnahmesituationen etwas taugen und sonst tunlichst vermieden werden sollten. Und das keinesfalls nur um nicht dem politischen Gegner Wasser auf die Mühlen seiner Argumentation zu geben.

Mit dem Flugblatt hat das “Autonomen Forums” nun vor allem eines erreicht: neue Probleme für die beiden Jugendzentren und alle wirklich emanzipatorischen und linken Zusammenhänge im Saarland. Es darf wohl gemutmaßt werden, dass genau dies nun ja gerade nicht die Intention der Herausgeber des Flugblatts gewesen ist. Somit bleibt zum Schluss nur zu wiederholen, was scheinbar nicht oft genug wiederholt werden kann, nämlich dass reiner Aktivismus – insbesondere, aber nicht nur, in Form des bewegungslinken Aktionsreportoires – ohne kritische (theoretische) Reflektion meist zu nichts führt, jedenfalls zu nichts Positivem.

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