Jürgen Elsässer ist eine der Personen die immer mal wieder gerne überraschen, wenn man gerade denkt doofer geht’s nimmer. Früher einmal Positionen vertretend über die es sich zumindest zu debattieren noch lohnte, beglückt er heuer die Welt mit der Gründung einer “Volksinitative gegen Finanzkapital”. Wem nicht schon beim Namen dieser Initiative schlecht wird, der sollte spätestens beim Betrachten der Inhalte selbiger stutzig werden.
So führt Elsässer aus, dass die heraufziehende Wirtschaftskrise “Ergebnis eines bewussten Angriffs des anglo-amerikanischen Finanzkapitals” sei, dem nur eine “Koordination der angegriffenen Nationalstaaten” abhelfen könnte. Auch würde das – natürlich anglo-amerikanische – “Bankkapital” das gute “Industriekapital” in einer Kreditklemme “erdrosseln”. Die Linke müsse angesichts dessen einen Volkssturm eine Volksfront aufbauen, welche “die entschädigungslose Nationalisierung des Finanzsektors und die Abdrängung der
anglo-amerikanischen Finanzaristokratie aus Europa, in der Perspektive ein eurasisches Bündnis” sich zum Ziel macht.
Nicht nur zeigt sich hier eine krude Kapitalismusanalyse, die – wie schon die Nationalsozialisten – zwischen “gutem, schaffendem” Industriekapital und “schlechtem, raffenden” Finanzkapital (welches sich natürlich in “anglo-amerikanischer” Hand befinde) trennt. Auch geht eine der grundlegenden Erkenntnis der politischen Linken verloren – der Kapitalismus ist als System an sich krisenanfällig, ja Krise und Kapitalismus gehören geradezu notwendigerweise zusammen. Stattdessen halluziniert Elsässer einen “anglo-amerikanischen Angriff” (etwa so wie damals der “Bombenholocaust anglo-amerikanischer Luftgangster gegen das Deutsche Reich”?) herbei und macht sich die Welt widewidewie sie ihm gefällt – nämlich als eine Verschwörung einiger weniger, böser Finanzkapitalisten gegen den guten Rest.
Da nimmt es auch kein wunder mehr, dass Elsässer sowohl von der NPD als auch von solch illustren Publikationen wie der Islamischen Zeitung oder der Jungen Freiheit Beifall bekommt. Persönlich stören oder zum Nachdenken bewegen dürfte ihn dies wahrscheinlich eh nicht, schließlich kennt er scheinbar – frei nach Wilhelm II – keine Feinde mehr, sondern nur noch Volksfrontler.

