Internet
“Studie: Soziale Netzwerke lügen nicht”
Laut einer Studie der Psychologin Juliane Stopfer von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz liefern Profile bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ ein relativ genaues Bild über die Persönlichkeit der jeweiligen Person. Dies ist insofern überraschend als bisher üblicherweise davon ausgegangen wurde, dass die User in ihren Profilen ein idealisiertes Bild von sich selbst zu vermitteln suchen. Schwachstelle der Studie ist allerdings die recht geringe Zahl an Stichproben, bei beiden Netzwerken wurden insgesamt nur etwas über 200 Profile untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden bereits im März publiziert und können als englischsprachige PDF online abgerufen werden.
Datenschutz
EU-Studie: “Überblick über das Informationsmanagement im Bereich Freiheit, Sicherheit und Recht”
Hinter dem etwas länglichen Titel verbirgt sich eine im Auftrag der Europäischen Kommission erstellte Übersicht, die “zum ersten Mal einen vollständigen Überblick über die schon bestehenden, noch in der Umsetzung begriffenen oder in Betracht gezogenen Maßnahmen auf EU-Ebene, mit denen die Erhebung, die Speicherung und der grenzübergreifende Austausch personenbezogener Daten zu Zwecken der Strafverfolgung und Migrationssteuerung geregelt wird,” biete. Allein in der EU gibt es demnach zwischen 17 und 20 solcher Datenbanken. Daneben umfasst der 65 Seiten starke Überblick auch eine Darstellung von Fahndungserfolgen, die mittels dieser Datenbanken erzielt worden seien. Laut heise online lobe sie u.a. die Vorratsdatenspeicherung.
“Verdachtsunabhängige Videoüberwachung von Demos in Berlin rechtswidrig”
Das VG Berlin hat endlich ein Einsehen und verbietet der Berliner Polizei das verdachtsunabhängige Abfilmen von Demonstrationen, da dies indirekt die Meinungsfreiheit einschränke. Allerdings darf die Polizei weiterhin filmen, wenn ein “Verdacht” dies rechtfertig – und man darf wetten, dass sich in Zukunft noch für jede Demonstration ein Verdachtsmoment finden lässt.
Medien
“Wikileaks: ‘Wir brauchen die klassischen Medien’”
Angesichts der Veröffentlichung von 90.000 geheimer Militärakten über den Afghanistankrieg, betont der deutsche Sprecher von Wikileaks, dass man weiterhin die etablierten Massenmedien brauche, um das Rohmaterial für den Durchschnittsbürger verständlich zu machen. Bei aller Liebe zu Crowdsourcing hat Schmitt mit dieser Aussage wohl recht. Zwar dürften durchaus auch außerhalb der Redaktionen genug fähige Leute mit dem nötigen Wissen vorhanden sein um die Informationen aufzubereiten, aber noch fehlt es a) an einem organisatorischen Rahmen um die Arbeit kanalisieren und gleichzeitig lange genug geheim halten zu können und b) an der Reichweite die die klassische Massenmedien weiterhin haben.
Politik
Sommerinterview 2010 mit Gregor Gysi
ARD Interview mit dem Fraktionschef der Partei DIE LINKE. Themen sind u.a. die Wahl des Bundespräsidenten, die Steuerpläne der Linken und die Debatte um ein Verbot von Kopftüchern.
Auch wenn es schon vor einem gut zwei Wochen veröffentlicht wurde, ist es dennoch einen Hinweis wert: Das Top Secret Amercia Projekt der Washington Post. Dort versucht die Zeitung mittels verschiedener Darstellungsformen einen Einblick in die Welt der Sicherheits- und Geheimdienste der USA zu geben. Seit dem 9/11 ist dort ein rapide wachsendes, inzwischen quasi unüberschaubares Geflecht aus Organisationen und Programmen entstanden, die die nationale Sicherheit garantieren und Terroranschläge verhindern sollen. Allerdings ist die Effektivität des ganzen Unternehmens höchst fragwürdig, bisher scheint es sich primär um eine riesige Geldvernichtungsmaschine zu handeln, die an ihrer eigenen Informationsflut erstickt und außerhalb jeglicher öffentlicher Kontrolle operiert.
Video
Channel4 – Britain’s Witch Children
Channel4 hat eine sehenswerte Undercoverreportage über fundamentalistisch-pfingstlerische Pastoren in London produziert. Diese Pfarrer verdienen ihren Lebensunterhalt weitgehend ungestört mit “Hexenaustreibungen” – was vor allem für Kinder, die angeblich von bösen Geistern besessen sind, gravierende Folgen haben kann. Die Reportage kann noch bis zum 27. August 2010 online angeschaut werden, ob das auch mit IP-Adressen außerhalb des Vereinigten Königreichs funktioniert, weiß ich allerdings nicht.
Wie im The Guardian vom 29. Mai 2010 (Seite 26) zu lesen war, übt die Polizei in Nordirland sich im Erfinden neuer, innovativer Polizeitaktiken. So soll ein Polizist, nachdem sein Fahrzeug von Jugendlichen mit Flaschen angegriffen wurde, über das Lautsprechersystem des Wagens Musik abgespielt haben die typischerweise von Eisverkäufern benutzt wird um den Angriff zu stoppen – mit Erfolg:
The Police Service of Northern Ireland (PSNI) said: “An officer used the vehicle’s tannoy system to play music to the youths in an effort to use humour to defuse the situation. The youths stopped throwing the bottles.”
Allerdings ist nicht jeder begeistert und so wird eine Stadträtin von Sinn Féin mit folgenden Worten zitiert:
The PSNI are put on the streets to do a serious job and that is to keep order on the streets and face down antisocial elements. This is a sick joke. It goes against everything we are trying to solve and eradicate in the area.”
Vergesst Taser, Knüppel, Pfefferspray et cetera – Eisverkäufermelodien sind die neue Wunderwaffe und dazu noch wesentlich sympathischer als die klassischen Instrumente.
Auch wenn man angeschichts der medialen Berichterstattung das Gefühl haben kann, England sei angesichts einer Woche Schnee und Temperaturen unter Null nur ganz knapp dem Untergang entronnen, so hatte doch zumindest die Polizei Oxfordshire offenkundig ihren Spass, wie dieses Video zeigt:
Nach dem Auftauchen des Videos wurden sie von ihrem Chef darauf mit den folgenden Worten ermahnt:
I have spoken to the officers concerned and reminded them in no uncertain terms that tobogganing on duty, on police equipment and at taxpayers’ expense, is a very bad idea should they wish to progress under my command.
Was nun absurder ist – Schlittenfahrende Polizisten oder die folgende Zurechtweisung – darf sich jeder selbst denken. In diesem Sinne: “What ever happens – keep smiling!”

