Eine meiner Hauptbeschäftigungen in diesem Sommersemester war das Medienprojekt 2009 der Medienwissenschaft an der Uni Trier. Dieses findet pro Jahr einmal statt und muss von jedem Hauptfachstudenten einmal besucht werden. So dieses Jahr auch von meiner Wenigkeit.

Auf dem Programm stand diesmal die Produktion eines lokalen Fernsehmagazins für Trier. Wobei es sich genau genommen quasi um die zweite Folge des Magazins handelt, da die erste Folge bereits im letzten Jahr produziert wurde.  Nach viel Blut, Schweiß, Tränen und einigen blank liegenden Nerven, ward das Magazin Mitte Juli fertig und wurde im Offenen Kanal Trier ausgestrahlt. Selbiger Sender war auch so nett und hat das Magazin auf YouTube geladen, sodass nun die ganze Welt es ansehen kann:

[Update] Hier noch ein kleiner Überblick über die Themen im Magazin:

  1. Ein Strandbad für Trier an der Mosel? So wie früher?
  2. Nachbarschaftsstreit in Trier Süd: Studierende vs. Nicht-Studierende
  3. Lärmprobleme in Trier West: Der LKW-Verkehr macht den Anwohnern zu schaffen
  4. Rollsuhlbasketball in Trier
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Bevor jemand über die Qualität urteilt, sei auf einen Artikel von Oliver Jung bei faz.net hingewiesen, der den schönen Titel “Hochschulfernsehen: ‘Eine Mischung aus ARD und McDonald’s'” trägt.

Nazis in Trier

On 20. Juni 2009, in Medien, Rechtsradikalismus

Der folgende Artikel sollte eigentlich in der jüngsten Ausgabe der Trierer Campuszeitung “Neue Universal (nu)” (#80 Juni 2009) erscheinen. Der Redaktion war der Text allerdings zu “meinungslastig”, weshalb schlussendlich nur eine stark gekürzte, sprachlich holprige Bildunterschrift veröffentlicht wurde. Nun kann man über Sinn und Unsinn eines vorgeblich “neutralen” Journalismus vortrefflich streiten, insbesondere im Bereich des Rechtsradikalismus. In meinen Augen ist ein solcher zum einen Mumenschanz – insbesondere wenn man die anderen Artikel in der nu liest – und zum anderen angesichts des aktuellen Medienwandels auch gar nicht wünschenswert. Aber dies soll nicht Gegenstand dieses Posts sein, deshalb hier nun mein ursprünglicher, nicht veröffentlicher Text:

Nazis in „uns schöner Trier“? Seit die „Kameradschaft Moselland“ Ende 2005 ihre Aktivitäten einstellt, blieb es in dieser Hinsicht in Trier eher ruhig. Anlässlich der Kommunalwahlen tauchte nun allerdings ein alter Bekannter wieder auf – Safet Babic, seines Zeichens Kreisvorsitzender der NPD Trier, schickte sich an einen Sitz im Stadtrat zu erringen. Einigen wird der ewige Jurastudent vielleicht noch auch aus seiner Zeit als Mitglied des Studierendenparlaments bekannt sein. Damals schafft es Babic sich über eine Tarnliste mit dem klangvollen Namen „Freiheitliche Soziale Liste“ ins StuPa wählen zu lassen und sorgte dort für einige Aufregung. So verklagte er u.a. den AStA, wenn auch erfolglos.

Doch zurück zum Hier und Jetzt. Seit Beginn des Kommunalwahlkampfs treten die Rechtsradikalen wieder verstärkt im Stadtbild auf. Immer öfter auch mit roher Gewalt. In der Nacht zum 19. Mai etwa lauerten mehrere Rechte drei Antifaschisten – die zuvor von der Polizei unter dem Verdacht, sie hätten NPD Wahlplakate beschädigt, festgenommen worden waren – auf und griffen diese an. Dabei verletzen sie eine Person so schwer, dass diese mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. Pikanterweise soll sich unter den Tätern auch Babic befunden haben. Wenige Tage zuvor waren im Wohnumfeld eines Mitglieds der Trierer Linkspartei Drohbriefe mit eindeutig neonazistischem Hintergrund aufgetaucht, in welchen der Adressatin unverhohlen mit Vergewaltigung gedroht wurde.

Die NPD-Aktivitäten blieben jedoch nicht ohne Reaktion. So protestierten am 30. Mai bis zu 800 Menschen gegen eine Wahlkampfkundgebung der NPD auf dem Simeonstiftplatz, nachdem sich schon am frühen Morgen ein breites antifaschistisches Bündnis unter dem – leicht infantil wirkenden – Motto “Gemeinsam stärken gegen Nazis” zum Picknick auf dem Viehmarkt traf. Auf Seiten der Neonazis hingegen versammelten sich nur 29 Personen und dies obwohl der NPD Bundesvorsitzende sprach.

Knapp eine Woche später, am 5. Juni, zogen über 1000 Demonstrationsteilnehmer durch die Trierer Innenstadt um nochmals ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus und die NPD zu setzen. Anlässlich der Demo stellte sich eine ungewohnte Einigkeit ein: Von DKP, Linkspartei und diversen Antifagruppen bis hin zur UBM unterstützte quasi das gesamte politische Spektrum Triers die Veranstaltung – einzig CDU und FDP wollten nicht mitspielen.

Bei den Stadtratswahl konnte die NPD allerdings trotz der Demo – oder wegen, wie Zyniker meinen würden – einen Sitz erringen. 1,1% der Stimmen entfielen auf die Nationalisten und macht deutlich, welche ganz eigenen Konsequenzen diese Wähler aus der Shoah gezogen haben. Ob die Anwesenheit Babics im Rat allerdings großen Einfluss auf die Trierer Politik haben wird ist fraglich. Ein Blick nach Sachsen zeigt, dass – vorausgesetzt die anderen Parteien stellen sich geschlossen gegen die NPD – ihnen wenig mehr übrig bleibt als verbale Poltereien. Das ist immer noch ärgerlich genug, aber die Gefährlichkeit des Rechtsradikalismus liegt woanders.

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Da inzwischen sogar das NPD-Blog auf den Vortrag hinweist und ich – als Co-Referent für Politische Bildung im AStA – den Vortrag mit Martin Jander in Trier organisiere, möchte ich auch an dieser Stelle nochmal kurz auf den Vortrag über Horst Mahler, der momentan ja mal wieder wegen Leugnung des Holocaust vor Gericht steht, aufmerksam machen. Die Veranstaltung mit dem Titel “Horst Mahler: Von links nach rechts, ein alternativloser Weg?” wird am 27. Januar 2009 ab 18 Uhr im Raum B19 der Uni Trier stattfinden.

In dem Vortrag soll auf den Werdegang von Horst Mahler – vom SDS Aktivisten und RAF-Verteidiger zum rechtsradikalen Holocaustleugner – eingegangen werden, insbesondere in Hinblick auf die Frage wie Mahler scheinbar mühelos vom Linksradikalismus zum Rechtsradikalismus wechseln konnte und ob sich dabei auch eine Kontinuität in einigen seiner Positionen feststellen lässt.

Hier nochmal der offizielle Ankündigungstext:

An Horst Mahler interessiert heute häufig nur, wie er eigentlich von links außen nach ganz rechts außen driften konnte. Die Frage greift zu kurz. Bevor der Anwalt die RAF mitgründete, kam er, wie manch anderer 68er auch, von ganz rechts. Horst Mahler wuchs in einer nationalsozialistischen Familie auf. Er kehrt heute nur dorthin zurück, von wo er aufgebrochen ist.

Als Mahler noch ganz links außen war, vertrat er darüber hinaus Positionen, die als nationalrevolutionär und antisemitisch charakterisiert werden können. Zwar wäre es ihm damals wohl nicht in den Sinn gekommen, die Shoah zu leugnen. Antisemitisch waren seine Positionen aber bereits damals. Mahler setzt heute in gewisser Weise nur fort, was er als Linksradikaler anfing. Mahler ist dabei keineswegs der einzige Ex-Linksradikale, der heute die antisemitische radikale Rechte unterstützt. Bernd Rabehl – früher Mitglied des SDS und Freund von Rudi Dutschke – und andere tun es ihm gleich.

Dr. Martin Jander, Dozent an der New York University (Berlin), wird über seine Forschungen zu Mahler, Rabehl und anderen sprechen und dabei zeigen, dass ihr Weg in den Rechtsradikalismus keineswegs alternativlos war. Nicht jeder, der heute sein linksradikales Weltbild infrage stellt, muss bei der NPD und ihrem Umfeld landen. Die Lebenswege kommunistischer Dissidenten, von ihren Mutter-Parteien häufig als „Renegaten“ verachtet, geben uns ein Beispiel.

Übrigens hält Martin Jander den gleichen Vortrag einen Tag zuvor in Saarbrücken. Dort geht es am 26. Januar 2009 um 19.30 Uhr in der Galerie im Filmhaus (Mainzerstr. 8) los.

Update 23. Januar 2009:
Nun kündigt auch 16vor den Vortrag an.

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