Nachdem die Queen am 6. April der Bitte von Premierminister Gordon Browns nachgekommen ist und das britische Unterhaus auflöste steht fest, dass am 6. Mai zusammen mit den Kommunalwahlen auch die Unterhauswahlen in Großbritannien stattfinden. Gleichzeitig startete auch der Wahlkampf, der schon seit längerem auf kleiner Flamme stattfand, in die heiße Phase und, ähnlich wie im letzten Bundestagswahlkampf, spielt diesmal auch das Internet eine wichtig(ere) Rolle. Dabei geht es nicht gerade zimperlich zu, sowohl off- als auch online.
Insbesondere die Tories tun sich in Sachen negative campaigning hervor. Zum Beispiel mit einer Plakatkampagne die den lächelnden Premier neben Slogans wie “Ich habe die nationale Verschuldung verdoppelt, wählt mich” zeigt. Während die Labour Party ein Plakat vorstellte, dass den konservativen Spitzenkandidaten David Cameron auf einem Audi Quattro sitzen zeigt, kombiniert mit der Aussage “Lass ihn nicht Britannien zurück in die 1980er führen”. Allerdings führte dieses Plakat nicht zu den intendierten Reaktionen und wurde stattdessen von den Tories als Vorlage für ein eigenes Plakat benutzt.
Auf MyDavidCameron.com, einer nach eigenen Angaben parteiunabhängigen Seite, wird hingegen zum kreativen Umgestalten der Tory Wahlplakate aufgerufen, ähnlich dem Schäuble Plakat-Remix Wettbewerb bei Netzpolitik anlässlich der letzten Bundestagswahl.
Dass man trotz dieser harten Bandagen auch zu weit gehen kann und dass insbesondere das Internet dabei einige Fallstricke bereithält, musste nun allerdings der schottische Labour Kandidat Stuart MacLennan erfahren. Medienberichten zufolge, hatte er auf seinem Twitteraccount u.a. diverse Beleidungen gegen David Cameron (“t***“), den liberalen Spitzenkandidaten Nick Clegg (“a b******”) sowie gegen diverse weitere Personen des öffentlichen Lebens gepostet.
Aussagen die auf einer Partei- bzw. Wahlkampfveranstaltung wahrscheinlich ohne Konsequenzen geblieben wären, da sie nie das Licht einer größeren Öffentlichkeit erblickt hätten, führten – veröffentlicht auf einer Plattform die aufgrund ihres Charakters zu informellen Äußerungen einlädt – zu einem kleinen Skandal, welcher den Schotten immerhin seine Kandidatur (und wohl auch die weitere politische Karriere) kostete.
Übrigens ist inzwischen sowohl MacLennans Twitteraccount (Google Cache, der letzte Tweet stammt vom 13.04.2010) als auch seine Homepage gelöscht.
[Update: Inzwischen hat auch Thomas Knüwer einen netten Blogbeitrag über die ganze Schose verfasst. Außerdem hat die JU ihr lustiges Video gelöscht, nur leider vergisst das Internet nun einmal nichts, sodass es jemand anderes erneut bei YouTube hochgeladen hat.]
Im Artikel “Vorsicht, Opposition!” auf Zeit Online wird Martin Sonneborn mit dem schönen Satz zitiert »Eigentlich hat das nicht so zu sein: Die großen Parteien spielen die Klamaukrolle, während die Satiriker die Verteidiger der Demokratie sind.«. Wie als wollte die SPD den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nochmal augenscheinlich manifestieren, wirkt da die gestern online gegangene Webseite Für eine Handvoll Stimmen.
Als wäre der altehrwürdigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nicht durch Gerhard Schröder schon genug angetan worden, verkleideten sich nun auch noch die beiden Bundestagsabgeordneten Martin Burkert und Günter Gloser und drehten ein eher peinlich als lustig anmutendes Filmchen um Erstwähler für die SPD zu begeistern:
Dabei drängte sich mir beim Ansehen – neben einem kontinuierlich stärker werdenden Fremdschämen – die Frage auf, welches Bild die beiden denn von Erstwähler haben. Dem Film nach zu Urteilen, halten sie die Erstwähler wahrscheinlich für leicht debile und dümmliche Personen, die Politiker danach wählen wie gut die sich verkleiden können und sich nicht weiter für Inhalte interessieren.
Bevor mir jetzt vorgeworfen wird, ich verstünde nur keinen Spaß. Ja Politik kann und darf Spaß machen, sie darf unterhaltsam sein und gegen neue Ideen im Wahlkampf ist auch erstmal nichts einzuwenden. Aber Politik sollte kein Karneval sein, sie sollte nicht zu inhaltsleerer Comedy verkommen, auch nicht zu infantilen Cowboy und Indianer Spielchen oder reinen Theaterinszenierungen.
Doch genau das ist bei der Webseite und dem Spot der beiden MdBs der Fall. In beiden kommen die politischen Inhalte die die Akteure vertreten nicht vor. Stattdessen heben sie hervor wie toll sie doch schauspielen und sich verkleiden können. Ganz toll. Kommt also nach der Entsozialdemokratisierung nun die Entpolitisierung der SPD? Hoffentlich nicht. Vielleicht wird es aber auch Zeit mit Michael Spreng zu fragen: “Wer rettet die SPD vor sich selbst?”. Aber Hauptsache der Wahlkampf ist unterhaltsam…
Dieses Ziel verfolgt scheinbar auch die Junge Union mit einem Spot, die ja immer für nen flotte Aktion gut ist. Wer solche Jugendverbände hat, der braucht jedenfalls keine Feinde mehr:



